Ägypten abseits der Klassiker: Orte, die man leicht übersieht

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Motiv: Weite ägyptische Landschaft, idealerweise eine Kombination aus Wüste und Rotem Meer oder eine weniger bekannte historische Sehenswürdigkeit
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Alt-Text: Landschaft in Ägypten abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten

Ägypten abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten

Pyramiden, Sphinx, Tal der Könige und Karnak – diese Namen kennt man auch dann, wenn man noch nie in Ägypten war. Sie gehören zu den grossen Sehenswürdigkeiten des Landes und stehen völlig zu Recht auf den meisten Reiserouten. Trotzdem gibt es zwischen Kairo, Luxor und dem Roten Meer zahlreiche Orte, die bei einer ersten Reise häufig nicht berücksichtigt werden und trotzdem einen Besuch wert sind.

Dazu gehören historische Hafenstädte, alte Klöster in der Wüste, weniger bekannte Pyramidenanlagen, beeindruckende Wüstenlandschaften und Tempel, die neben Karnak oder dem Tal der Könige leicht übersehen werden. Manche dieser Ziele lassen sich von Hurghada oder Marsa Alam aus als Tagesausflug besuchen, andere liegen so weit entfernt, dass sie eher zu einer Rundreise passen. Auch die Bezeichnung „Geheimtipp“ sollte man dabei nicht zu wörtlich nehmen: Einige dieser Orte sind unter Ägyptenreisenden durchaus bekannt, werden aber von vielen Besuchern trotzdem ausgelassen.

El Quseir: Ägyptens Rotes Meer mit Geschichte

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Motiv: Historische Altstadt von El Quseir mit traditionellen Häusern oder Hafenansicht
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Alt-Text: Historische Altstadt von El Quseir am Roten Meer

Wer in Hurghada oder an der Küste des Roten Meeres Urlaub macht, erlebt die Region meist aus der Perspektive von Hotel, Strand und Korallenriff. Die Geschichte dieser Küste reicht allerdings weit zurück, und El Quseir ist einer der Orte, an denen man davon heute noch etwas sehen kann. Die Hafenstadt liegt rund 130 Kilometer südlich von Hurghada und war über viele Jahrhunderte ein wichtiger Handelsplatz am Roten Meer.

In der historischen Altstadt stehen traditionelle Häuser, von denen einige aus Korallenstein errichtet wurden, und auch eine osmanische Festung gehört zum historischen Erbe der Stadt. Vieles lässt sich bei einem Spaziergang entdecken, ohne dass man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten eilen muss. Zwischen den alten Häusern ergeben sich immer wieder Blicke auf den Hafen und das Meer, während in den Strassen das normale Leben der Stadt weitergeht.

Gerade dieser Unterschied zu den grossen Ferienorten macht El Quseir für einen Ausflug interessant. Wer seinen Urlaub am Roten Meer verbringt und zwischendurch einmal eine historische Küstenstadt kennenlernen möchte, kann hier einige Stunden verbringen, ohne daraus ein ganztägiges Besichtigungsprogramm machen zu müssen. Ein 🟨 [Ausflug nach El Quseir] lässt sich deshalb gut mit einem Aufenthalt an der Küste verbinden.

Kloster St. Paul: Christliches Ägypten mitten in der Wüste

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Motiv: Kloster St. Paul vor der Wüstenlandschaft oder Innenhof mit Kirche
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Alt-Text: Kloster St. Paul in der ägyptischen Wüste

Ägyptens Geschichte endet nicht bei den Pharaonen. Schon in den ersten Jahrhunderten des Christentums entwickelte sich in den Wüstengebieten des Landes eine bedeutende Tradition des Mönchtums, die bis heute fortbesteht. Das Kloster St. Paul liegt abgelegen in der östlichen Wüste und gehört zusammen mit dem Kloster St. Antonius zu den wichtigsten koptischen Klosteranlagen Ägyptens.

Der Klosterkomplex entstand über der Höhle, in der der Einsiedler Paulus von Theben der Überlieferung nach einen grossen Teil seines Lebens verbrachte. Zur Anlage gehören mehrere Kirchen, Gärten und historische Gebäude. Besonders interessant sind die erhaltenen Wandmalereien, die teilweise über Jahrhunderte hinweg immer wieder restauriert wurden.

Schon die Anreise vermittelt einen Eindruck davon, wie abgelegen die Klöster liegen. Von der Küste führt die Strecke durch eine Landschaft aus Felsen, Geröll und trockenen Wadis, in der nur selten Siedlungen zu sehen sind. Das ist eine Umgebung, die mit den Städten am Nil oder den Ferienorten am Roten Meer wenig gemeinsam hat.

Das nahe gelegene Kloster St. Antonius wird häufig zusammen mit St. Paul besucht. Beide Klöster liegen in derselben Region und gehören zu den wichtigsten Zentren der koptischen Tradition. Ein 🟨 [Ausflug zu den Klöstern St. Paul und St. Antonius] eignet sich deshalb besonders für Besucher, die sich für Religion, Geschichte oder die Landschaft der östlichen Wüste interessieren.

Dahschur: Pyramiden und die Geschichte ihrer Entstehung

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Motiv: Rote Pyramide oder Knickpyramide in der offenen Wüstenlandschaft
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Alt-Text: Rote Pyramide von Dahschur in der ägyptischen Wüste

Die Pyramiden von Gizeh sind die bekanntesten Bauwerke ihrer Art, doch südlich von Kairo befinden sich weitere Pyramidenanlagen, die für die Geschichte des Alten Ägypten mindestens ebenso aufschlussreich sind. Dahschur ist vor allem wegen der Knickpyramide und der Roten Pyramide von Bedeutung und zeigt sehr anschaulich, wie sich der Pyramidenbau im Laufe der Zeit weiterentwickelte.

Die Knickpyramide des Pharaos Snofru fällt schon aus der Entfernung durch ihren ungewöhnlichen Verlauf auf: Die Neigung der Seiten verändert sich während des Baus deutlich. Vermutlich musste die Konstruktion aufgrund statischer Probleme angepasst werden. Die später errichtete Rote Pyramide besitzt dagegen bereits die geraden Seiten, die man von den klassischen Pyramiden kennt.

Wer Dahschur besucht, sieht deshalb nicht einfach zwei weitere Pyramiden, sondern bekommt eine Vorstellung davon, wie die Baumeister des Alten Reiches nach einer geeigneten Form für diese gewaltigen Bauwerke suchten. Gleichzeitig ist die Umgebung wesentlich stärker von der offenen Wüste geprägt als die Gegend rund um Gizeh.

Dahschur lässt sich gut mit einem Besuch der Pyramiden von Gizeh verbinden. Wer sich intensiver mit den Pyramidenanlagen rund um Kairo beschäftigen möchte, kann den Ort daher in einen 🟨 [Ausflug zu den Pyramiden von Kairo] einbauen.

Wadi El Gemal: Wüste und Rotes Meer südlich von Marsa Alam

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Motiv: Landschaft des Wadi-El-Gemal-Nationalparks mit Wüste, Bergen oder Küste
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Alt-Text: Landschaft im Wadi-El-Gemal-Nationalpark bei Marsa Alam

Südlich von Marsa Alam verändert sich die Landschaft bereits wenige Kilometer hinter der Küste. Der Wadi-El-Gemal-Nationalpark umfasst grosse Teile der östlichen Wüste und reicht bis an das Rote Meer. Berge, trockene Flusstäler, Wüstenflächen und Küstenlandschaften liegen hier vergleichsweise nahe beieinander.

Die Gegend ist ausserdem eng mit dem Leben der Beduinen verbunden, die seit langer Zeit in der östlichen Wüste leben. Je nach Ausflug können Besucher durch die Wüste fahren, Berglandschaften kennenlernen, eine Beduinengemeinschaft besuchen oder eine kurze Kamelsafari unternehmen. Welche Stationen tatsächlich auf dem Programm stehen, hängt dabei von der jeweiligen Route ab.

Für Urlauber in Marsa Alam ist Wadi El Gemal vor allem eine Möglichkeit, die Region auch ausserhalb der Hotelanlagen kennenzulernen. Die Landschaft selbst ist dabei wichtiger als eine einzelne Sehenswürdigkeit. Während der Fahrt verändern sich Farben und Formen der Berge, und besonders am späten Nachmittag wirkt die Wüste durch das tief stehende Sonnenlicht ganz anders als während der heissen Mittagsstunden.

Passende 🟨 [Ausflüge im Wadi-El-Gemal-Nationalpark] werden von Marsa Alam und den umliegenden Ferienorten angeboten.

Marsa Mubarak und Abu Dabbab: Meeresschildkröten vor Marsa Alam

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Motiv: Meeresschildkröte beim Schnorcheln in Abu Dabbab oder Marsa Mubarak
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Alt-Text: Meeresschildkröte beim Schnorcheln vor Marsa Alam

Marsa Mubarak und Abu Dabbab sind inzwischen unter Schnorchlern gut bekannt und deshalb keine Geheimtipps im eigentlichen Sinn. Für Besucher von Marsa Alam sind beide Plätze trotzdem interessant, weil sich hier mit etwas Glück Meeresschildkröten und andere Bewohner des Roten Meeres beobachten lassen.

Abu Dabbab verfügt über vergleichsweise flache Bereiche und eignet sich deshalb auch für Menschen, die keine Taucherfahrung haben. In Marsa Mubarak können je nach Bedingungen ebenfalls Meeresschildkröten beobachtet werden. Eine Begegnung mit einem bestimmten Tier lässt sich allerdings nie garantieren, denn die Tiere bewegen sich frei und halten sich nicht nach einem festen Zeitplan an einem bestimmten Platz auf.

Beim Schnorcheln sollte man deshalb etwas Geduld mitbringen und genügend Abstand halten. Meeresschildkröten sollten weder angefasst noch verfolgt oder zum Näherkommen bewegt werden. Wer die Tiere in Ruhe beobachtet, bekommt häufig ohnehin das interessantere Erlebnis, weil sich dann ihr natürliches Verhalten beobachten lässt.

Mehr Informationen über die verschiedenen Schnorchelplätze und die Unterwasserwelt der Region finden Sie unter 🟨 [Schnorcheln mit Schildkröten in Ägypten].

Alt-Kairo: Moscheen, Kirchen und die Geschichte der Stadt

Wer Kairo zum ersten Mal besucht, konzentriert sich häufig auf die Pyramiden von Gizeh und das Ägyptische Museum. Damit stehen zwar zwei der bekanntesten Ziele der Hauptstadt auf dem Programm, von der Geschichte Kairos bekommt man jedoch nur einen Teil zu sehen. Alt-Kairo und die Zitadelle führen in Epochen, die lange nach dem Ende des pharaonischen Ägyptens liegen.

Die Zitadelle von Saladin wurde im Mittelalter als Befestigungsanlage errichtet und liegt auf einem Höhenzug über der Stadt. Heute ist vor allem die Muhammad-Ali-Moschee bekannt, deren grosse Kuppel und Minarette das Stadtbild von vielen Stellen aus prägen.

Im Koptischen Kairo befinden sich unter anderem die Hängende Kirche und Abu Serga. Die Kirchen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen des koptischen Christentums in Ägypten. Dazu kommen alte Stadtmauern, enge Gassen und zahlreiche kleinere historische Gebäude, die sich am besten zu Fuss erkunden lassen.

Die 🟨 Zitadelle von Saladin, Muhammad-Ali-Moschee und Alt-Kairo eignen sich daher gut für Besucher, die bei einem Aufenthalt in Kairo nicht ausschliesslich die pharaonischen Sehenswürdigkeiten sehen möchten.

Dendera: Der Hathor-Tempel von Oberägypten

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Motiv: Grosse Halle des Hathor-Tempels von Dendera mit den berühmten Säulen
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Alt-Text: Hathor-Tempel von Dendera mit seinen reich verzierten Säulen

Dendera ist unter Ägyptenreisenden durchaus bekannt, steht bei einer klassischen Reise durch Oberägypten aber meist hinter Karnak, Luxor und dem Tal der Könige zurück. Dabei gehört der Hathor-Tempel zu den am besten erhaltenen Tempelanlagen des Landes und ist allein wegen seiner gut erhaltenen Reliefs und der monumentalen Säulenhalle sehenswert.

Der heute sichtbare Tempel wurde vor allem in ptolemäischer und römischer Zeit errichtet, während der religiöse Ort selbst wesentlich älter ist. Hathor wurde unter anderem als Göttin der Liebe, Musik und Freude verehrt. Ihre Darstellung mit dem charakteristischen Kuhkopf beziehungsweise den Kuhgehörnen findet sich an vielen Stellen des Tempels.

Besonders auffällig ist die grosse Säulenhalle mit ihren Hathor-Kapitellen. Auch die Decke ist ungewöhnlich reich gestaltet. Der berühmte Dendera-Zodiak befand sich ursprünglich hier; das Original wurde im 19. Jahrhundert nach Frankreich gebracht und befindet sich heute im Louvre. Besucher sehen in Dendera eine Kopie.

Der Tempel macht ausserdem deutlich, wie lange die altägyptische Religion Bestand hatte. Dendera wurde in einer Zeit ausgebaut, als Ägypten bereits von griechischen und später römischen Herrschern regiert wurde. Die religiösen Traditionen des pharaonischen Ägypten waren also noch lange nach dem Bau der grossen Pyramiden lebendig.

Weitere Informationen zur Verbindung mit einer Reise durch Oberägypten finden Sie unter 🟨 [Dendera und den Sehenswürdigkeiten rund um Luxor].

Die Weisse Wüste: Kalksteinformationen mitten in der Sahara

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Motiv: Markante Kalksteinformationen der Weissen Wüste, möglichst bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang
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Alt-Text: Weisse Wüste in Ägypten mit bizarren Kalksteinformationen

Die Weisse Wüste westlich des Nils sieht so ungewöhnlich aus, dass sie mit dem üblichen Bild einer ägyptischen Wüstenlandschaft nur wenig zu tun hat. Zwischen den Sandflächen stehen helle Kalksteinformationen, die durch Wind und Erosion über lange Zeit ihre teilweise bizarren Formen erhalten haben. Einige erinnern an Pilze oder Tiere, andere wirken wie grosse, vom Menschen geschaffene Skulpturen.

Das Aussehen der Landschaft verändert sich mit dem Licht. Am späten Nachmittag werfen die Felsen lange Schatten, während die Kalksteinformationen am frühen Morgen fast weiss erscheinen. Eine Übernachtung in der Wüste bietet zudem die Möglichkeit, die Gegend nach Sonnenuntergang zu erleben, wenn weit und breit kaum künstliches Licht vorhanden ist.

Die Weisse Wüste eignet sich allerdings nicht als kurzer Abstecher während eines Badeurlaubs in Hurghada. Die Entfernungen sind gross und die Anreise nimmt entsprechend viel Zeit in Anspruch. Wer eine Reise durch die westliche Wüste plant, kann das Gebiet dagegen gut mit anderen Zielen wie den Oasen verbinden.

Ägypten hat auch abseits der bekannten Routen viel zu bieten

Die grossen Sehenswürdigkeiten Ägyptens bleiben aus gutem Grund die Höhepunkte vieler Reisen. Gizeh, Luxor, das Tal der Könige und die grossen Tempelanlagen sollte man nicht auslassen, nur weil es daneben weniger bekannte Ziele gibt. Interessant wird es vor allem dann, wenn noch etwas Zeit für einen zusätzlichen Ausflug bleibt.

Nicht jedes Ziel passt zu jeder Reise. Für eine Woche Badeurlaub in Hurghada ist ein Ausflug nach El Quseir wesentlich leichter einzuplanen als eine Reise in die Weisse Wüste, während sich Besucher von Marsa Alam Wadi El Gemal oder einen Schnorchelausflug vergleichsweise einfach vornehmen können. Wer dagegen mehrere Wochen für eine Rundreise zur Verfügung hat, kann auch entlegenere Regionen einbeziehen.

Gerade darin liegt der Vorteil einer Reise, die nicht vollständig nach einem festen Besichtigungsprogramm abläuft: Neben den berühmten Bauwerken bleibt Platz für Orte, die man vorher vielleicht nur aus einem Reiseführer kennt. Eine alte Hafenstadt, ein Kloster in der Wüste, ein wenig besuchter Tempel oder eine Begegnung mit einer Meeresschildkröte können dabei ebenso Teil einer Ägyptenreise werden wie die Pyramiden von Gizeh.